Warum aus gespeicherten Ideen noch kein digitales Projekt wird

Bild: KI-generiert

Gespeichert ist schnell – klarer wird es dadurch noch nicht

Samstagvormittag, kurz nach zehn. Der Kaffee steht auf dem Tisch, der Laptop ist aufgeklappt und eigentlich ist heute genau der richtige Moment für all die Dinge, die ich mir in den vergangenen Wochen für „später“ aufgehoben habe.

Also öffne ich meine gespeicherten Beiträge.

Da ist etwas über ChatGPT. Ein Beitrag über digitale Produkte. Eine Frau, die online mit einem Thema arbeitet, von dem sie offenbar ziemlich viel versteht. Ein Video über Canva. Irgendwo dazwischen habe ich mir noch einen Artikel über eine eigene Website gespeichert und einen Beitrag, dessen Überschrift ungefähr versprach, dass man eine gute Idee nicht jahrelang mit sich herumtragen müsse.

Ich scrolle ein Stück nach unten.

Noch mehr davon.

Es ist erstaunlich, was man innerhalb weniger Wochen alles interessant finden kann.

Nach zwanzig Minuten habe ich drei Beiträge noch einmal gelesen, zwei neue gespeichert und nebenbei nach etwas gegoogelt, das mir dabei eingefallen ist.

Nur eines habe ich immer noch nicht:

eine Ahnung, was davon eigentlich meins sein könnte.

Gespeichert ist erstaunlich schnell

Vielleicht liegt genau darin die kleine Falle dieser wunderbaren digitalen Welt. Man kann sich heute innerhalb eines einzigen Vormittags mehr Möglichkeiten ansehen, als früher wahrscheinlich in drei Berufsleben aufgetaucht wären.

Hier entwickelt jemand einen kleinen digitalen Guide. Dort arbeitet eine Frau von zu Hause aus für Kunden. Eine andere hat aus ihrem Wissen zu einem bestimmten Thema eine Website gemacht. Und plötzlich begegnet einem auch noch Künstliche Intelligenz und man stellt fest, dass damit offenbar sehr viel mehr möglich ist, als lustige Texte für Geburtstagskarten schreiben zu lassen.

Das kann neugierig machen.

Es kann aber auch dazu führen, dass man eine beachtliche Sammlung besitzt und trotzdem keinen Schritt weiter ist.

Denn auf „Speichern“ zu tippen ist herrlich unverbindlich. Man muss sich noch nicht entscheiden, ob man etwas wirklich interessant findet. Man legt es einfach zu den anderen Möglichkeiten und denkt: Das schaue ich mir noch einmal genauer an.

Das berühmte „später“ bekommt also Gesellschaft.

Aus 37 Ideen wird noch keine eigene

Das Merkwürdige beginnt meistens dann, wenn man versucht, aus dieser Sammlung etwas Konkretes zu machen.

Denn plötzlich sehen die Dinge, die beim Scrollen noch so interessant wirkten, ganz anders aus.

Sollte man einen Blog starten? Einen kleinen Guide erstellen? Könnte aus etwas, das man seit Jahren gut kann, vielleicht eine digitale Dienstleistung werden? Und was genau macht man eigentlich mit Canva, außer erstaunlich viel Zeit damit zu verbringen, sich zwischen zwei fast identischen Beigetönen zu entscheiden?

Spätestens an dieser Stelle taucht häufig die nächste Frage auf:

Was davon passt überhaupt zu mir?

Und die lässt sich leider nicht mit einem weiteren gespeicherten Beitrag beantworten.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum aus so vielen digitalen Ideen erst einmal nichts wird. Nicht weil sie schlecht sind. Und auch nicht unbedingt, weil man sich nicht traut.

Es sind einfach zu viele einzelne Puzzleteile.

Man hat etwas über KI gelesen, findet die Idee eines digitalen Produkts interessant, würde gerne flexibler arbeiten und hat vielleicht schon länger ein Thema im Kopf, über das man erstaunlich viel weiß. Nur liegen diese Gedanken noch nebeneinander, statt miteinander verbunden zu sein

Frau um die 55 steht nachdenklich am Fenster, während auf dem Tisch Notizen, ein geöffnetes Notizbuch, Lesebrille und Kaffeetasse liegen.

Bild: KI-generiert

Vielleicht fehlt gar nicht die Idee

Wir stellen uns eine gute Idee gern wie einen kleinen Geistesblitz vor. Plötzlich ist sie da, man erkennt sie sofort und weiß anschließend selbstverständlich, was zu tun ist.

Im wirklichen Leben ist sie oft wesentlich unspektakulärer.

Vielleicht fällt einem auf, dass man seit Wochen immer wieder Beiträge zum selben Thema speichert. Dass man bei bestimmten Dingen länger hängen bleibt. Dass man einer Freundin etwas erklärt und hinterher denkt: Eigentlich kenne ich mich damit ziemlich gut aus.

Das können unscheinbare Hinweise sein.

Denn ein digitales Projekt muss nicht mit der großen Frage beginnen, womit man irgendwann Geld verdienen könnte. Vielleicht beginnt es viel kleiner: mit einem Thema, über das man gerne spricht. Mit einer Erfahrung, die man weitergeben könnte. Mit Wissen aus dem Beruf oder einem Hobby, bei dem andere regelmäßig fragen: Kannst du mir das mal erklären?

Aus so etwas kann irgendwann ein Guide entstehen, eine Website, eine kleine Dienstleistung oder etwas ganz anderes.

Noch kein fertiges Geschäftsmodell.

Erst einmal nur ein Gedanke, der interessanter wird, je länger man ihn betrachtet.

Und vielleicht ist genau das der Moment, den man beim ständigen Sammeln leicht übersieht.

Wenn aus „interessant“ langsam etwas Eigenes wird

Es gibt einen Unterschied zwischen Dingen, die man interessant findet, und Dingen, zu denen man immer wieder zurückkehrt.

Der zehnte gespeicherte Beitrag über irgendeinen neuen Online-Trend ist vielleicht morgen schon vergessen. Aber diese eine Idee, über die man beim Zähneputzen noch nachdenkt, beim Spaziergang wieder stolpert und drei Tage später einer Freundin erzählt – die verhält sich anders.

Vielleicht muss daraus trotzdem nichts werden.

Aber vielleicht lohnt es sich, ihr einmal etwas mehr Platz zu geben.

Nicht gleich einen Businessplan schreiben. Nicht sofort eine Website bauen. Und ganz sicher nicht vorsorglich zwölf neue Programme abonnieren, deren Passwörter man anschließend wieder suchen muss.

Erst einmal herausfinden, was einen daran eigentlich nicht loslässt.

Denn vielleicht beginnt ein digitales Projekt viel früher, als man denkt. Nicht mit einem Logo, einem Produkt oder dem perfekten Plan.

Vielleicht beginnt es an einem ganz normalen Samstagvormittag, wenn man zum ersten Mal nichts Neues speichert.

Sondern bei einer alten Idee hängen bleibt und denkt:

Die schaue ich mir jetzt wirklich einmal genauer an.


Vielleicht kennst du diesen Punkt: Eine Idee lässt dich nicht mehr ganz los. Noch ist daraus kein Plan geworden – aber du merkst, dass du genauer hinschauen möchtest. Wenn dich dieser Gedanke beschäftigt, könnten diese Artikel ebenfalls interessant für dich sein:

Frau um die 55 geht nachdenklich durch eine grüne Wohnstraße und lässt eine Idee für ein mögliches digitales Projekt auf sich wirken.

Bild: KI-generiert

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Mit über 50 wurde die Frage nach später für mich konkreter. Ich arbeite weiterhin ganz normal in meinem Job, aber bei der Rente ist mir ein „wird schon reichen“ inzwischen zu wenig.

Seit 2023 probiere ich nebenbei digitale Möglichkeiten aus, teste Ideen und schaue, was sich neben Job und Alltag wirklich umsetzen lässt.

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