Warum speichere ich eigentlich ständig Dinge, die ich nie wieder anschaue?

Bild: KI-generiert

Eigentlich wollte ich nur kurz etwas nachsehen

Der Kaffee war gerade erst durchgelaufen, und eigentlich wollte ich nur schnell nachsehen, wie lange frischer Basilikum auf der Fensterbank hält. Zwei Minuten, dachte ich. Mehr sollte es wirklich nicht werden.

Zehn Minuten später wusste ich immer noch nicht, wie man Basilikum am besten pflegt. Dafür hatte ich ein Rezept für Zitronenkuchen gespeichert, einen Buchtipp, eine schöne Wanderung an der Nordsee und einen Artikel darüber, wie Frauen ChatGPT im Alltag nutzen.

Mit jedem Fingertipp kam derselbe Gedanke.

"Das schaue ich mir später in Ruhe an."

Als ich das Handy schließlich wieder weglegte, war der Kaffee längst kalt. Und meine Merkliste wieder ein gutes Stück länger.

Irgendwie musste ich über mich selbst schmunzeln.

Dieses „später“ scheint erstaunlich viel Freizeit zu haben

Vielleicht kennst du diesen Gedanken auch. Man speichert einen Beitrag nicht, weil man ihn jetzt lesen möchte, sondern weil man fest davon überzeugt ist, dass später der richtige Moment dafür kommt.

Später am Wochenende.

Später im Urlaub.

Oder irgendwann, wenn endlich einmal nichts mehr ansteht.

Dieses spätere Ich führt allerdings ein beneidenswert entspanntes Leben. Es soll neue Rezepte ausprobieren, Bücher lesen, den Balkon neu gestalten, sich mit ChatGPT beschäftigen und ganz nebenbei noch den perfekten Wanderweg für den nächsten Ausflug finden.

Komischerweise begegnet man diesem späteren Ich nur ziemlich selten.

Denn wenn dann tatsächlich einmal ein freier Nachmittag vor der Tür steht, fühlt sich vieles plötzlich wichtiger an als jeder gespeicherte Beitrag.

Freie Zeit sieht oft ganz anders aus, als wir sie uns vorstellen

Man stellt sich beim Speichern oft einen ganz bestimmten Moment vor. Einen ruhigen Nachmittag, eine Tasse Kaffee und endlich genügend Zeit, all die interessanten Dinge anzusehen, die sich über Wochen angesammelt haben.

Und dann ist dieser Nachmittag tatsächlich da.

Nur läuft er selten nach Plan.

Man bleibt länger auf der Terrasse sitzen, weil die Sonne gerade so schön scheint. Eine Freundin ruft spontan an. Oder man geht einfach eine Runde spazieren, ohne auf die Uhr zu schauen.

Der gespeicherte Beitrag wartet derweil geduldig weiter.

Und erstaunlicherweise fühlt sich das überhaupt nicht falsch an.

Vielleicht, weil freie Zeit manchmal gar nicht dafür da ist, alles nachzuholen. Sondern einfach dafür, sie zu genießen.

Eine etwa 55-jährige Frau sitzt mit Smartphone, Kaffeetasse und offenem Notizbuch an einem hellen Küchentisch und lächelt beim Lesen.

Bild: KI-generiert

Vielleicht speichern wir gar keine To-do-Liste

Früher hätte mich das wahrscheinlich geärgert. Heute sehe ich diese kleinen Sammlungen etwas anders.

Vielleicht speichern wir viele Dinge gar nicht, weil wir sie unbedingt irgendwann erledigen möchten.

Vielleicht mögen wir einfach den Gedanken, dass sie da sind.

Dass wir dieses Rezept kochen könnten.

Dass wir den Artikel über Künstliche Intelligenz irgendwann noch einmal lesen. Dass wir die kleine Pension am Meer nicht vergessen.

Oder dass wir uns doch einmal in Ruhe anschauen, was es mit ChatGPT eigentlich auf sich hat.

Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden, nur weil sie interessant ist.

Unsere Merklisten erzählen vielleicht eine ganz andere Geschichte

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass diese gespeicherten Beiträge viel weniger über unsere To-do-Liste erzählen als über unsere Neugier.

Sie zeigen, was uns im Moment beschäftigt. Welche Themen plötzlich unsere Aufmerksamkeit bekommen. Wofür wir offen geworden sind, obwohl wir vor ein paar Jahren wahrscheinlich einfach weitergescrollt hätten.

Nicht jedes Rezept wird gekocht.

Nicht jeder Artikel noch einmal geöffnet.

Nicht jede Idee wird Wirklichkeit.

Und vielleicht ist genau das völlig in Ordnung.

Manchmal genügt schon der Gedanke, dass es da draußen noch etwas Neues zu entdecken gibt. Vielleicht tippen wir deshalb so oft auf „Speichern“ – nicht, weil wir alles später erledigen wollen, sondern weil wir uns die Möglichkeit offenhalten möchten.

Und irgendwie ist das ein schöner Gedanke.


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Frau um die 55 sitzt mit Lesebrille, Laptop und einer Tasse Kaffee am Küchentisch und blickt nachdenklich aus dem Fenster, während sie über neue digitale Möglichkeiten nachdenkt.

Bild: KI-generiert

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Mit über 50 wurde die Frage nach später für mich konkreter. Ich arbeite weiterhin ganz normal in meinem Job, aber bei der Rente ist mir ein „wird schon reichen“ inzwischen zu wenig.

Seit 2023 probiere ich nebenbei digitale Möglichkeiten aus, teste Ideen und schaue, was sich neben Job und Alltag wirklich umsetzen lässt.

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