Es läuft – und trotzdem fühlt es sich nicht mehr richtig an

Dieser Satz, der erst ganz harmlos klingt

Neulich saß ich mit einer Freundin in einem Café, irgendwo zwischen Cappuccino, halb gegessenem Zitronenkuchen und diesem typischen Gesprächsverlauf, den man mit Frauen hat, die das eigene Leben schon lange kennen. Erst redet man über ganz normale Dinge. Arbeit. Termine. Wer sich mal wieder um irgendetwas kümmern musste, obwohl man eigentlich dachte, man hätte gerade genug auf dem Zettel. Dann über Kinder, Eltern, Rückenschmerzen, diese eine Kollegin, bei der man schon beim Namen innerlich die Schultern hochzieht.

Also alles wie immer.

Und dann sagte sie irgendwann, ganz nebenbei, fast zwischen zwei Sätzen:

„Eigentlich läuft alles. Aber irgendwie fühlt es sich nicht mehr richtig an.“

Ich weiß noch, dass ich zuerst nur genickt habe. Nicht, weil ich sofort etwas Kluges dazu sagen konnte. Sondern weil ich genau wusste, was sie meint.

Das ist ja gerade das Merkwürdige an solchen Sätzen. Sie klingen erstmal unspektakulär. Fast ein bisschen zu klein für das, was in ihnen steckt. Kein Knall. Kein Anlass, den man im Kalender markieren würde. Eher so ein Gedanke, der sich leise an den Tisch setzt und dann einfach nicht mehr geht.

Von außen sieht oft alles ziemlich ordentlich aus

Wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum man so lange braucht, um diesen Gedanken überhaupt ernst zu nehmen. Von außen betrachtet ist ja oft alles da. Der Alltag läuft. Der Job ist da. Die Rechnungen werden bezahlt. Man weiß, wie der Laden funktioniert. Und wenn man ehrlich ist, funktioniert er meistens sogar ziemlich gut.

Man kommt klar. Man organisiert. Man denkt mit. Man macht das, was gerade dran ist.

Und genau deshalb wirkt dieses Gefühl oft so unpassend. Fast ein bisschen unverschämt. Als hätte man eigentlich gar kein Recht, an irgendetwas zu zweifeln, solange nichts sichtbar auseinanderfällt.

Aber vielleicht ist das der Punkt. Es muss nicht erst alles schiefgehen, damit man merkt, dass etwas nicht mehr sitzt.

Manchmal merkt man es eben daran, dass alles läuft — und man selbst dabei nur noch so halb mitkommt.

Vielleicht ist es keine Unzufriedenheit. Vielleicht ist es einfach Ehrlichkeit

Was viele Frauen kennen: Man redet sich lange ein, dass man sich nicht so anstellen sollte. Es ist doch alles okay. Andere hätten gern diese Stabilität. Man hat Arbeit. Man hat ein Zuhause. Man hat keinen Grund, plötzlich ausgerechnet jetzt anzufangen, das eigene Leben auf Passgenauigkeit zu prüfen wie eine etwas unbequeme Hose.

Klingt alles vernünftig.

Hilft nur nicht immer.

Denn manchmal ist das Problem nicht, dass etwas schlecht ist. Sondern dass etwas nicht mehr zu einem passt wie früher. Der Job ist nicht furchtbar, aber er trägt auch nicht mehr besonders weit. Der Alltag ist nicht chaotisch, aber er fühlt sich an wie eine Strecke, die man inzwischen im Halbschlaf gehen könnte. Man kennt jede Kurve. Nur leider auch jeden Grund, warum sie einen nicht mehr besonders begeistert.

Und dann sitzt man da mit einer Freundin, rührt im Kaffee herum und merkt, dass dieses Gefühl gar nichts mit Undankbarkeit zu tun hat.

Vielleicht ist es eher der Moment, in dem man aufhört, sich selbst mit ordentlichen Sätzen zu beruhigen.

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Man spricht es aus – und plötzlich ist es da

Was ich an solchen Gesprächen immer wieder erstaunlich finde: Ein Gedanke bleibt so lange diffus, bis ihn jemand einmal ausspricht. Vorher läuft er eher im Hintergrund mit. Wie ein Radio in der Küche, das man nicht richtig beachtet, bis plötzlich ein Satz hängenbleibt.

Und wenn er einmal im Raum ist, lässt er sich nicht mehr ganz so leicht wegwischen.

Nicht, weil danach plötzlich alles klar wäre. Das wäre ja fast zu einfach. Niemand geht nach einem Cafébesuch nach Hause und weiß auf einmal genau, wie die nächsten Jahre aussehen sollen. So funktioniert das Leben leider selten. Es kommt ja nicht mal mit einem vernünftigen Wochenplan.

Aber etwas verändert sich trotzdem.

Man merkt, dass man mit diesem Gefühl nicht allein ist. Dass andere es auch kennen. Dieses Dazwischen. Dieses „Es ist nicht schlimm, aber es stimmt auch nicht mehr ganz“. Und allein das hat schon etwas Entlastendes.

Weil man dann nicht mehr denkt, man sei einfach nur undankbar, empfindlich oder zu spät dran für neue Fragen.

Vielleicht beginnt genau da etwas

Vielleicht muss man an diesem Punkt noch gar nichts entscheiden. Vielleicht reicht es erstmal, sich selbst nicht sofort zu widersprechen.

Nicht gleich wieder mit: Ist halt so.
Nicht gleich wieder mit: Andere wären froh.
Nicht gleich wieder mit: Jetzt zieh dich mal zusammen.

Vielleicht reicht für den Anfang schon dieser eine ehrliche Satz:

Es läuft.


Aber es fühlt sich nicht mehr richtig an.

Das ist noch kein Plan.
Nicht mal eine Entscheidung.

Aber vielleicht ist es zum ersten Mal keine Ausrede mehr.


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