Der ganz normale Mittwoch – und warum ich manchmal nicht direkt nach Hause will

Zwischen Büro, Parkplatz und dem Gedanken, noch nicht fertig zu sein

Mittwoch ist für mich ein erstaunlich ehrlicher Tag. Montag hat immer noch diesen Anlaufcharakter, Dienstag tut gern so, als wäre alles bestens im Griff, und Freitag trägt sich sowieso fast von selbst. Aber Mittwoch ist einfach da. Kein Anfang, kein Ende, kein Glanz. Eher der Tag, an dem man morgens schon weiß, was auf dem Schreibtisch liegt, mittags denkt, dass die Woche noch ziemlich lang ist, und nachmittags plötzlich merkt, dass man innerlich schon ein wenig schief hängt.

Vielleicht ist es genau das, was diesen Tag so entlarvend macht. Man funktioniert. Im Job, in Gesprächen, zwischen Mails und Terminen. Man weiß, was zu tun ist, und man tut es auch. Nicht mit großem Pathos. Eher mit dieser Mischung aus Erfahrung und Routine, die viele Frauen mit über 50 inzwischen ziemlich gut beherrschen. Man muss nicht mehr über jeden Schritt nachdenken. Vieles sitzt. Das ist praktisch. Manchmal fast ein bisschen zu praktisch.

Und dann sitzt man später im Auto, hat die Tasche auf den Beifahrersitz geworfen, macht den Motor an — und merkt, dass man gerade nicht die geringste Lust hat, direkt nach Hause zu fahren.

Nicht, weil zuhause etwas Schlimmes wartet. Im Gegenteil. Wahrscheinlich wartet gar nichts Besonderes. Genau das ist ja der Punkt.

Wenn der Feierabend nicht sofort nach Wohnungsschlüssel aussieht

Es gibt diese Nachmittage, da denke ich beim Einsteigen schon: Eigentlich könnte ich jetzt noch irgendwo anders hin. Nicht weit. Kein Tagesausflug, kein neues Leben, keine wilde Idee. Einfach noch nicht sofort zurück in den nächsten Teil des Tages.

Vielleicht erst noch kurz in ein Café. Vielleicht einmal durchs Gartencenter laufen, ohne dass ich etwas brauche. Vielleicht auch einfach eine andere Strecke fahren, die fünf Minuten länger dauert und an der man wenigstens nicht an drei Supermärkten, zwei Ampeln und diesem einen Kreisverkehr vorbeikommt, den inzwischen wahrscheinlich mein Auto besser kennt als ich.

Früher hätte ich solche Gedanken vermutlich gleich wieder aussortiert. Weil man ja nach Hause fährt. Weil man noch etwas einkaufen könnte. Weil es vernünftiger ist. Weil der Tag schon voll genug war und man sich jetzt nicht auch noch in halbspontane Umwege verstricken muss. Heute denke ich manchmal: Ja, und?

Es ist ja nicht so, dass ich jedes Mal irgendwo abbiege und plötzlich mit einem Cappuccino am Fluss sitze, als hätte ich seit Jahren heimlich auf diesen Moment gewartet. Meistens fahre ich natürlich ganz normal nach Hause. Aber allein dieser Gedanke, nicht sofort weiterzumachen wie immer, hat etwas Interessantes. Er taucht auf, ohne großes Getöse, und bringt für einen Moment alles ein kleines bisschen durcheinander.

Frau über 50 macht nach der Arbeit einen kleinen Umweg durch eine ruhige Straße mit Cafés

Der Tag ist oft voller, als er von außen aussieht

Was man von außen nicht immer sieht: Es sind selten die großen Dinge, die einen Mittwoch zäh machen. Es ist eher die Summe aus allem. Die Arbeit, die nebenbei mitläuft. Die Gespräche, die Konzentration, dieses ständige Mitdenken. Dann noch kurz einkaufen, an etwas für morgen denken, einer Freundin antworten, zuhause vielleicht noch Wäsche, Küche, Kalender. Nichts davon klingt für sich genommen nach besonders viel. Aber zusammen ergibt es genau diesen Zustand, in dem man gegen 17:40 Uhr im Auto sitzt und nur kurz denkt: Könnte ich bitte einmal für zwanzig Minuten nicht zuständig sein?

Ich glaube, viele kennen das. Man kommt nicht aus einer Katastrophe. Man kommt aus einem ganz normalen Tag. Und trotzdem fühlt sich der Feierabend nicht wie Freizeit an, sondern eher wie der nächste Programmpunkt in etwas bequemerer Kleidung.

Vielleicht ist das der Grund, warum mich ausgerechnet der Mittwoch manchmal auf so merkwürdige Gedanken bringt. Nicht große Fragen. Nur dieses kleine Bedürfnis, noch nicht gleich wieder irgendwo anzukommen, wo schon das Nächste auf mich wartet. Auch wenn das Nächste nur ein Abendbrot und die Spülmaschine sind. Wobei man fairerweise sagen muss: Die Spülmaschine hat eine sehr eigene Art, immer genau dann wichtig zu werden, wenn man gerade gar keine Lust auf sie hat.

Manchmal reicht schon ein kleiner Umweg

Neulich bin ich tatsächlich nicht direkt nach Hause gefahren. Nicht weit. Ich habe einfach auf dem Rückweg noch kurz am See gehalten. Zehn Minuten vielleicht. Mehr nicht. Ich saß im Auto, habe aus dem Fenster geschaut und nichts besonders Sinnvolles getan. Kein Telefonat, keine Musik, kein „Wenn ich schon mal hier bin“. Einfach nur kurz da gesessen.

Und ehrlich gesagt war genau das überraschend angenehm.

Nicht weltbewegend. Nicht tiefgründig. Eher die Art von Moment, die man früher wahrscheinlich gar nicht beachtet hätte. Aber in letzter Zeit merke ich, dass gerade solche kleinen Unterbrechungen etwas mit mir machen. Sie geben dem Tag wieder Kanten. Nicht jeder Mittwoch muss sich anfühlen wie eine Zwischenstation zwischen Montag und Wochenende.

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, etwas zu ändern. Vielleicht geht es manchmal einfach nur darum, nicht jeden Tag so geschniegelt weiterlaufen zu lassen, als gäbe es nur diese eine Spur. Man fährt zur Arbeit, man kommt zurück, man macht weiter. Das Leben kann einen ja sehr zuverlässig durch den Alltag tragen. Aber manchmal möchte ich wenigstens kurz mitbekommen, dass ich selbst auch noch dabei bin.

Und deshalb fahre ich an manchen Mittwochen gedanklich schon mal woanders hin. Manchmal nur für drei Minuten. Manchmal tatsächlich um den Block. Und manchmal reicht dieser Gedanke schon aus, um den Rest des Tages etwas freundlicher zu betrachten.

Mittwoch bleibt trotzdem Mittwoch.
Aber nicht jeder davon muss sofort nach Haustür aussehen.


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