Mehr Zeit für sich selbst ab 50 – und warum das kein Egoismus ist

Dauerzuständig seit gefühlt immer

Neulich habe ich tatsächlich einen Samstag einfach mal nicht verplant. Und das klingt harmloser, als es war. Normalerweise passiert ja genau dann dieses innere Aufräumprogramm: „Wenn ich schon Zeit habe, kann ich auch noch schnell einkaufen.“ Oder wenigstens die Schränke aufräumen. Oder schon mal die Woche vorbereiten. Irgendetwas findet sich immer.

An diesem Samstag habe ich stattdessen mein Handy genommen und einer Freundin geschrieben: „Hast du Lust auf Brunch? Einfach so.“

Und noch während ich auf „Senden“ gedrückt habe, kam dieser Gedanke hoch: Kann ich das bringen? Einfach so losziehen, ohne dass es einen Anlass gibt, ohne dass vorher alles andere erledigt ist?

Es ist ja nicht so, dass ich keine Zeit hätte. Theoretisch ist sogar mehr Spielraum da als früher. Die Kinder brauchen einen nicht mehr rund um die Uhr, der Kalender ist nicht mehr so voll wie mit 35. Und trotzdem fühlt es sich manchmal an, als wäre ich auf Dauerbetrieb geschaltet. Als würde irgendwo ein kleines Lämpchen blinken: zuständig.

Genau das meine ich mit „dauerzuständig“. Nicht, weil jemand es verlangt. Sondern weil man sich selbst so eingerichtet hat.

Brunch statt Pflichtprogramm

Also saßen wir da. Zwei Frauen über 50, mit Cappuccino, Croissant und – warum auch nicht – einem Glas Sekt mitten am Vormittag. Die Sonne kam schräg über den Tisch, irgendwer bestellte neben uns schon das nächste Frühstück, und wir hatten… nichts vor.

Keinen Plan danach. Keine Rechtfertigung. Keine „Ich muss aber um…“.

Wir haben geredet. Über alles Mögliche. Über unsere Kinder natürlich, klar. Aber irgendwann auch über früher. Über diese legendäre Party mit 17, bei der wir dachten, wir wären wahnsinnig erwachsen. Über Frisuren, die heute kein Mensch mehr freiwillig tragen würde. Über Typen, die damals unglaublich wichtig waren – und heute nicht mal mehr einen Nachnamen haben.

Und wir haben gelacht. So richtig. Mit diesem „Oh mein Gott, wie waren wir bitte drauf?“-Lachen.

Und während ich da saß, mit Sektglas in der Hand, ist mir aufgefallen, wie ungewohnt sich das anfühlt, nichts „Sinnvolles“ zu tun. Kein Termin, der drängt. Keine To-do-Liste im Hinterkopf, die leise mitklappert.

Nur reden. Erinnern. Lachen. Menschen beobachten.

Und irgendwann musste ich über mich selbst lachen. Nicht über früher – sondern über mich jetzt. Weil ich jahrelang geglaubt habe, Zeit für mich sei etwas, das man sich verdienen muss. So eine Art Bonus, wenn alles erledigt ist.

Spoiler: Alles ist nie erledigt.

Frau um die 50 sitzt am Küchentisch und schreibt eine Karte, warmes Tageslicht fällt durchs Fenster, gemütliche Atmosphäre im Hintergrund.

Niemand kommt und sagt: Jetzt bist du dran

Mit 50 merkt man irgendwann, dass niemand kommt und einem offiziell erlaubt, jetzt mal selbst wichtig zu sein. Da steht keiner vor der Tür und sagt: „So, ab heute bist du dran.“

Wenn man darauf wartet, wartet man ziemlich lange.

Also bleibt eigentlich nur eine Option: Man nimmt sich die Zeit einfach selbst. Wie man sich früher für alle anderen Zeit genommen hat.

Und wenn ich ehrlich bin, ist es doch seltsam zu glauben, dass alle anderen meine Zeit respektieren sollen, wenn ich es selbst nicht tue.

Dieses kleine „Ich mach das jetzt trotzdem“

Mehr Zeit für sich heißt ja nicht, dass man aus dem Leben verschwindet oder plötzlich alles stehen lässt. Es heißt nur, dass man nicht mehr automatisch springt, sobald irgendwo etwas piept oder jemand ruft.

Vielleicht fährt man einfach noch eine Runde, obwohl man längst zuhause sein könnte. Vielleicht trifft man sich unter der Woche auf einen Kaffee, obwohl man „eigentlich noch was zu tun hätte“. Und vielleicht sagt man auch mal ganz ruhig: „Heute nicht“ – ohne sich zehnmal zu rechtfertigen.

Am Anfang fühlt sich das fast ein bisschen frech an. So, als würde man heimlich schwänzen. Und genau das ist ja das Komische: Niemand verbietet es einem – aber man selbst hat es sich jahrelang nicht erlaubt.

Und wenn ich abends nach Hause komme, denke ich nicht darüber nach, ob das besonders produktiv war. Ich denke eher: Das war gut. Einfach gut.

Und das reicht ja vielleicht schon.

Frau um die 50 fährt auf einer offenen Landstraße, entspanntes Lächeln am Steuer – Moment von Spontanität und Selbstbestimmung im Alltag.

Ich bin Biggi

Ich kenne diese Gedanken, wenn der Alltag läuft, der Job okay ist – und man sich trotzdem fragt: War das jetzt alles?

Mit Anfang 50 habe ich gemerkt, dass ich noch etwas verändern möchte. Nicht alles. Nicht von heute auf Morgen. Aber so, dass es wirklich zu meinem Leben passt.

Femmeway Inspire ist genau daraus entstanden.
Aus dem Wunsch, neue Möglichkeiten zu finden, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Gedanken & Erfahrungen rund um das Leben ab 50

Femmeway Inspire

Gedanken und Erfahrungen über

Arbeit, Zeit und das Leben ab 50.

Und irgendwann diese Frage:

War das schon alles?

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